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Keine plauderte lustvoller und hemmungsloser über Erotik und Sex als TV-Ikone Lilo Wanders. Nach zehn Jahren «Wa(h)re Liebe» sucht die schrille Diva neue Herausforderungen und erzählt exklusiv bei startalk.ch über Begegnungen im Swingerclub, die Schweiz und das Leben auf St. Pauli.
 
startalk.ch: Lilo, nach zehn Jahren und 545 Sendungen hast du vor kurzem deinen Abschied mit «Wa(h)re Liebe» gefeiert. Ist dir jetzt langweilig am Donnerstagabend?
Lilo Wanders: Nö, gar nicht. Ich hatte lange Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Schluss ist. Im Juni haben wir noch den zehnten Geburtstag gefeiert und ich habe überall verbreitet, wir würden bis Ende 2006 weitermachen. Ende Juli erfuhr ich, dass zum Jahresende Schluss sein soll. In den ersten Wochen hatte ich mit mir gehadert und fand das ganz furchtbar. Irgendwann habe ich mich an den Gedanken gewöhnt und die letzten Sendungen waren dann eher fröhlich. Mittlerweile habe ich abgeschlossen.

Wurde deine Show überflüssig, weil mittlerweile alles gesagt ist über Swingerclubs, Erotikdarsteller und FKK-Strände?
Nein, eigentlich nicht. Die Quote war bis zum Schluss sehr gut. Der Grund für das Aus war die mangelnde Werbung. Dieses Pharisäertum finde ich ganz schrecklich. Jedes Haarshampoo und jede Margarine wird mit Ächzen und Stöhnen beworben, aber die Firmen wollen mit ihren Produkten nicht in einem Umfeld auftreten, das die Sexualität zum Thema hat. Das hat uns schlussendlich das Genick gebrochen.

Kannst du es VOX deshalb auch nicht übel nehmen, dass sie dich aus dem Programm gekippt haben?
Ganz und gar nicht. Wir leben in einem System, in dem nur das Geld zählt. Ich würde ja auch nicht gratis arbeiten, obgleich ich es hin und wieder tue (lacht).

Wie selbstbewusst, locker und tolerant geht die heutige Gesellschaft deiner Meinung nach mit der Sexualität um?
Vieles, worüber wir berichtet haben, gab es auch schon früher. Sicherlich haben wir dazu beigetragen, das Selbstwertgefühl jener Menschen zu stärken, die von der Norm abweichen. Damit meine ich alles, was in irgendeiner Weise nicht dem Klischee entspricht, sei es, dass man zu dritt in die Betten hüpft, dass man gerne Windeln trägt oder was auch immer. Die wissen jetzt, sie sind nicht alleine. In der Berichterstattung haben wir auch einige Tabus gebrochen. Das hat dazu beigetragen, dass was in Bewegung gekommen ist. Allgemein ist die Akzeptanz der Vielfalt von Sexualität viel grösser geworden.

Dennoch können oder wollen auch heute nicht alle ihre Sexualität offen ausleben, wie der Fall Moshammer kürzlich zeigte.
Die Angst derjenigen, die sich outen müssten/sollten/könnten, ist schlimmer als das, was dann tatsächlich passiert. Es gibt eine Aufregung, wenn man deutlich macht, welche Vorlieben man hat, und dann ists aber auch gut.

Hat sich die Arbeit bei der «Wa(h)ren Liebe» auch auf dein Sexleben ausgewirkt?
Wenig. Ich habe einige Erfahrungen mit tantrischem Sex gemacht. Eine Erweiterung, die jeder machen kann, der Sexualität zelebriert und sie nicht einfach durchrammelt. Ich war ein einziges Mal in einem Swingerclub und dort der einzige Mensch, der auch formell angezogen war. Es war sehr witzig – poppende Omas und Opas (lacht). Einer der lustigsten Abende meines Lebens. Ich war für ein Fotoshooting dort und ein Besucher meinte, dass ich mit einem nackten evangelischen Pfarrer von der Alp auch noch nie fotografiert worden sei (lacht).

Warum waren die Swingerclub-Themen so beliebt?
Zum Anschauen wars ganz witzig. Praktiziert wird diese Form von Partnertausch nach meinen Schätzungen von vielleicht 100 000 Personen in Deutschland. Es ist verschwindend gering, aber ziemlich lustig.

Wenn man zehn Jahre ein Erotikmagazin moderiert, muss Sex bei dir einen sehr hohen Stellenwert haben.
Nicht mehr als bei anderen auch. Natürlich wünscht man sich ein erfülltes Sexleben. Es gibt Zeiten, in denen es so ist, und umgekehrt. Dennoch ist es nicht so, dass mich nun Tag und Nacht der Gedanke an Sex erfüllt hat. Es war halt mein Job. Eine Ärztin schaltet auch ab, wenn sie abends nach Hause geht.

Was ist für dich absolut unerotisch?
Bestimmte Formen von Behaarungen (lacht). Unerotisch ist auch Dummheit. Andersrum gesagt sind Klugheit und Humor sehr erotisch. Dann kann man auch über bestimmte Körperlichkeiten hinweggucken.
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VOX: «Wa(h)re Liebe»
hr fernsehen: Lilos Leselust
Lilo Wanders in der Schweiz
Lilo Wanders im TV

Geburtsdatum 22. 9. 1955
Beruf Moderatorin, Entertainerin
Zivilstand verheiratet
Wohnort Hamburg

Lilo Wanders heisst mit bürgerlichem Namen Ernie Reinhardt, ist homosexuell – und glücklich mit Frau Brigitte verheiratet. Der dreifache Vater studierte Bibliothekarswesen und entdeckte früh die Theaterwelt. Zusammen mit Corny Littmann eröffnete Lilo 1988 das «Schmidt-Theater» auf der Hamburger Reeperbahn und moderierte bis 1993 mit Herrn Schmidt und Marlene Jaschke die preisgekrönte «Schmidt-Mitternachtsshow» (NDR). Den Durchbruch feierte die schrille TV-Diva mit dem Sex- und Erotikmagazin «Wa(h)re Liebe», welches sie zehn Jahre auf VOX moderierte. Daneben war die wandelbare Lilo in vielen Filmen, Fernsehshows und Bühnenprogrammen zu sehen, und verkörperte auf der Theaterbühne u.a. Marlene Dietrich («Der graue Engel») und Evelyn Künnecke («Die Mythomanin»). Die Kultmoderatorin, die mit «Tja, meine Lieben» ihre Biografie veröffentlich hat, war regelmässig zu Gast im ZDF-Late-Talk «Blond am Freitag» und gab in der Rubrik «Lilos Leselust» bei «Hauptsache Kultur» (hr fernsehen) Büchertipps. Zuletzt tourte Lilo mit dem Programm «Sex ist ihr Hobby» durch die Republik. Lilo im Web.