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Der TV-Moderator («NightMoor») ist Landwirt geworden! Zusammen mit seiner Frau Sonja lebt und arbeitet Dieter Moor auf seinem Biobauernhof im Brandenburgischen. startalk.ch hat den begnadeten Fernsehmann und Schauspieler in Berlin zum ausführlichen Gespräch getroffen. Moor redet Klartext über die fehlende Innovation der Fernsehbranche, seine Rolle als Vater, das Verhältnis zur Schweiz und den Streit mit Roger Schawinski.
startalk.ch: Man hat in der Schweiz eine Weile nichts mehr von Ihnen gehört. Wie geht es Dieter Moor?
Dieter Moor: Danke, es geht mir gut. Ich trinke Kaffee und bin gespannt auf interessante Fragen.
Neben der Moderation konzentrieren Sie sich seit gut einem halben Jahr wieder vermehrt auf die Schauspielerei. Womit waren Sie sonst beschäftigt?
Die Schauspielerei ist momentan sehr aktuell und ich hoffe, dass es in den nächsten Jahren noch mehr wird. Zuletzt moderierte ich mit dem «HeadlineTalk» eine tägliche Show bei ATV (Österreich) und realisierte nebenbei den Dokumentarfilm «Das Leben geht weiter», der in New York mit einem Emmy-Award ausgezeichnet wurde.
Was war der Auslöser, dass Sie zum Ursprung Ihrer Tätigkeit, zur Schauspielerei, zurückgekehrt sind?
Die Fernsehszene ist relativ langweilig. Grosse Produktionsfirmen stecken in der Krise und es scheint ihnen scheissegal zu sein, was gesendet wird. Es geht nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um die Quote. Es gibt zwei Tendenzen: Man kauft Formate ein, die im Ausland erfolgreich waren, und hofft auf einen Erfolg – Irrtum. Oder man erfindet ein neues Format und weiss noch weniger, ob es funktioniert. Und das getraut sich keiner. Dadurch entsteht eine unglaublich grosse Angst und keiner will etwas riskieren.
Keine einfache Situation für einen Mann wie Sie, der immer wieder neue, unkonventionelle Fernsehformate entwickelt hat.
Mich interessiert nur das Neue. Leider kramen alle immer wieder Altbewährtes hervor, anstatt Neues zu wagen. Das ist extrem langweilig. Ich weiss gar nicht, weshalb sich die Zuschauer das alles anschauen. Seit zehn Jahren warte ich darauf, dass sich diese Situation in der Fernsehbranche ändert. Irgendwann müssen sie es doch begriffen haben, dass es kein Rezept gibt. Und falls jemand einen Coup landet, wie jetzt mit der Telenovela oder seinerzeit mit «Wer wird Millionär», machen es alle nach, es entsteht eine Inflation und funktioniert dann nicht mehr.
Dann warten Sie immer noch auf den Moment der Kehrtwende?
Nein, auf den warte ich nicht mehr (lacht). Den werde ich kaum erleben. Ich denke, dass das Fernsehen ein Massenmedium geworden ist, dass immer mehr nebenbei läuft. Die richtig guten Perlen sind Formate, die schon seit Jahren existieren. Wie «Zimmer frei» mit dem wahnsinnigen Götz Alsmann und der seriösen Christine Westermann im WDR. Eine Sendung, die läuft und läuft und läuft. Irgendjemand hatte vor Jahren eine Bieridee und schrieb das Konzept in zwanzig Minuten. Wenn Sie heute in einer Redaktion den Vorschlag machen würden, anstatt eines langweiligen Interviews den Gast für eine WG vorzuschlagen und mit ihm Spiele zu machen, würden das alle ablehnen. Vor fünfzehn Jahren war es etwas einfacher. In neun von zehn Fällen gab es ein «Nein», aber man hatte auch die Chance auf ein «Ja».
Wie sieht das Traumformat von Dieter Moor aus?
Alles, was interaktiv ist. Für mich ist es immer noch ein Rätsel, weshalb das Fernsehen die Zuschauer immer noch nicht aktiver einbindet. Ich verstehe auch nicht, weshalb man anderen Leuten zuschaut, die Waschmaschinen gewinnen. Am liebsten hätte ich nicht nur eine eigene Sendung, sondern gleich einen eigenen Sender, der die Zuschauer nicht nur mit Werbung, Pornos oder Serien zuschüttet, sondern auch die Möglichkeit bietet, aktiv mitzumachen.
«Moor-TV», ein eher utopisches Projekt.
Das ist tatsächlich meine Utopie. Würde man es marktforschungstechnisch aufgleisen und einen Businessplan erstellen, wäre es absolut unrealisierbar. Die TV-Flops im deutschsprachigen Raum, wie der «Bachelor» oder «Die Burg», wurden zuvor wissenschaftlich in vielen Umfragen und Screenings für viel Geld getestet. Dann heisst es: «Das wird ein Quotenrenner» und fällt schlussendlich beim Publikum gnadenlos durch. Das Fernsehen ist unberechenbarer geworden und so gesehen wieder spannend.
Ist die Zeit also reif für eine Anarchie im Fernsehen?
Absolut, die Zuschauer verhalten sich anarchistisch. Uralte Leute sehen sich Kindersendungen an, Kinder gucken Pornos, Frauen sehen Männerfilme und umgekehrt. Die so genannte Unterschicht sieht gerne Wissenschaftsmagazine, Ärzte sehen «Verliebt in Berlin». Deshalb sind wir meiner Meinung nach an einem Punkt angelangt, an dem es sowieso egal wäre und man Neues ausprobieren muss. Die Zielgruppe gibts schon lange nicht mehr.
Man hat Sie soeben im ZDF-Krimi «Letztes Kapitel» an der Seite von Nadja Auermann gesehen. Sind Sie als Schauspieler irritiert, wenn ein Ex-Model plötzlich die Hauptrolle in einem Spielfilm kriegt?
Für mich war die Schauspielschule aus Entwicklungsgründen sehr wichtig. Ich behaupte nicht, dass Leute, die keine Schauspielschule besucht haben, auch keine guten Schauspieler sind. Ich sehe es am Beispiel meiner Tochter, die aufgrund ihres jungen Alters auch keine Profischauspielerin ist und dennoch sehr gut ist. Nadja Auermann hat im «Letzten Kapitel» absolut überzeugt.
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Geburtsdatum 1. 5. 1958
Beruf Moderator, Schauspieler
Zivilstand verheiratet
Wohnort Hirschfelde/ Brandenburg
Nach der Ausbildung an der Schauspielakademie Zürich folgten für Moor diverse Theater-Engagements. Als langjähriger Moderator der ORF 2-Kultursendung «Kunst-Stücke» erlangte er Kultstatus. Anschliessend präsentierte Dieter Moor bei Hitradio Ö3 mit «TalkRadio» eine Call-In-Show. Für das Medienmagazin «Canale Grande» (VOX) wurde der Schweizer mit dem «TeleStar», dem «Goldenen Gong» und dem «Silbernen Kabel» ausgezeichnet. Es folgten «studio/moor» (Premiere), «Na also!» mit Gundis Zámbó (RTL 2), «Magic Las Vegas» (ZDF), das Reisemagazin «Voxtours» (VOX) und «EX! Was die Nation erregte» (ARD). Danach stand er für die Schweizer Late-Night-Shows «NightMoor» und «MOOR» vor der Kamera, die er ab 1997 zwei Jahre lang auf SF zwei moderierte. Weiter sah man den Meister der Fernseh-Conférence beim österreichischen «HeadlineTalk» (ATV), «Schlagzeilen» (SF 1), «TalkRadio» (Radio Argovia), «Simply Moor» (Premiere Austria) und seiner Fussball-EM-Kolumne «Das Wunder von Moor» (ARD). Für den preisgekrönten Dokfilm «Das Leben geht weiter» (arte) agierte er als Erzähler. Dieter Moor moderierte nebenbei beim Webradio «LoungeFM», bevor er neuer Moderator von «ttt – titel, thesen, temperamente» in der ARD wurde. Seit 2007 präsentiert er zudem die Literatursendung «les.art» auf ORF 2. Privat: Der Schauspieler («Opernball», «Alles ausser Sex») lebt und arbeitet zusammen mit seiner Frau Sonja auf einem Bauernhof in Brandenburg. |
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